In der Geschichte der Kunst erblicken wir schon seit Jahrtausenden das „Gedächtnis“ der Welt.
Über mich
Dr. phil.
Martin Mittendorfer
Bilderhauerei seit 2006
Abstrakte Malerei seit 2023
Autodidakt
Atelier in Rankweil, Vorarlberg
Ohne Bezug zu einem größeren
Ganzen ist für mich Kunst nicht denkbar.
Meine künstlerische Arbeit verstehe ich als Versuch, den Dingen auf den Grund zu gehen und mich so dem Wunder des Lebens anzunähern. Zugleich aber auch, aus der eigenen Tiefe heraus neue Welten zu erschaffen, und die Sphäre der Möglichkeiten, wie wir die Welt wahrnehmen können, zu erweitern.
Kunst ist Therapie ist Kunst
Seit Jahrzehnten begleite ich als körperorientierter Psychotherapeut Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung.
Diese Arbeit bewegt sich – ähnlich wie die Entfaltung unseres Kosmos – im Spannungsfeld von Zeugung, Geburt, Werden, Reifung und Vergehen.
Sie berührt fundamentale Themen wie Identität, Überwindung von Leid, den Wunsch nach Autonomie und Verbundenheit, nach Sinn, Fruchtbarkeit und Selbstausdruck.
Vieles davon findet sich in meiner künstlerischen Arbeit wieder.
Mein Weg
Martin Mittendorfer, Dr. phil., Jg. 1951
Seit 1981 in Vorarlberg als körperorientierter Psychotherapeut tätig: www.koerpertherapie-vorarlberg.at
Studium der Germanistik, Publizistik und Kommunikationstheorie, dazu zwei Jahre indische Philosophie. Dann Berufung zu Psychologie und Psychotherapie.
Der Blick über die Grenzen der eigenen Fachgebiete war schon immer sehr ausgeprägt (Kunst, Musik, Literatur, Fotografie, asiatische Geisteswelt, spirituelle Traditionen, Geschichte, Archäologie, Geologie, Paläoanthropologie, Evolutionsbiologie, Neurobiologie…)
Lebenslange Beschäftigung mit fundamentalen Themen: dem Kosmos, der Evolution (von der Paläoanthropologie zur individuellen Menschwerdung: Dissertation über prä- und perinatale Psychologie) und dem schon urzeitlichen menschlichen Bedürfnis nach künstlerischem Ausdruck (Form, Licht, Farbe, Musik, Klang). Diese Themen prägen meine künstlerische und therapeutische Tätigkeit.
Arbeit mit Stein seit 2006
Abstrakte Malerei seit 2023
Autodidakt
Die Arbeit als Künstler ist für mich, wie jede kulturelle Tätigkeit, eine Beschäftigung mit den Möglichkeiten des Menschseins. Das ist untrennbar mit dem Thema der Evolution verbunden.
Die ständige Entfaltung des Lebens in all seinen Erscheinungen, der unendliche Prozess des Werdens und Vergehens unserer inneren und äußeren Welt, erzeugt in mir immer wieder Staunen, Faszination und zugleich eine tiefe Demut.
Als Psychotherapeut begleite ich seit Jahrzehnten Menschen in ihrer Evolution. Diese Arbeit spielt sich, wie bereits oben erwähnt, ähnlich wie die Entfaltung unseres Kosmos, im Spannungsfeld „Zeugung, Geburt, Werden, Entfaltung, Reifung und Vergehen“ ab. Dazu berührt sie Themen wie erlittene Verwundungen und ihre Überwindung, Mythen und Rätselhaftes, die Heilung durch ein Du, die Frage nach unserem Platz in der Welt, den Wunsch nach Autonomie und Verbundenheit, nach Aufbruch, Erkenntnis, Fruchtbarkeit und Selbstausdruck. Das Ziel ist, ein sinnerfülltes, eigenständiges, schöpferisches Leben zu entwickeln. Und das von den Anfängen bis „hin zu den Sternen“.
Vieles davon findet sich in meiner künstlerischen Arbeit. Erlauben wir uns, in die Tiefe zu schauen, können wir unserer eigenen Tiefe begegnen. Dann erkennen wir, dass alles fließt und sich ständig verändert. Unsere Persönlichkeit ebenso wie unser Blick auf die Welt. Beides ist Resultat einer Fülle von Faktoren, auch von Zufällen.
Dass also alles auch ganz anders hätte kommen können, die große Geschichte und unsere persönliche Geschichte. Und dass es auch ganz anders weitergehen könnte. Dass wir unseren Beitrag zum Erhalt der Schöpfung vielleicht neu denken müssen. Denn wir sind nicht nur Objekte unserer Geschichte und unseres Lebens, die hinnehmen müssen, dass eben alles so ist, wie es ist, sondern auch handelnde, gestaltende Subjekte.
Meine Arbeit verstehe ich als Versuch, Dingen auf den Grund zu gehen und mich so den Geheimnissen des Lebens und der Schöpfung anzunähern. Zugleich aber auch, aus der eigenen Tiefe heraus neue Welten zu erschaffen, Resonanz zu erzeugen, und die Sphäre der Möglichkeiten, wie wir die Welt wahrnehmen können, zu erweitern.
Dabei sind Hammer und Meißel, Farbe und Leinwand nur die Mittel, um meine Werke zu gestalten. Es ist der Geist, der führt. Das Verlangen nach Erkenntnis und einem tieferen Sinn.
Künstlerische Arbeit ohne Visionen, ohne Innerlichkeit und einen Bezug zu einem größeren Ganzen ist für mich nicht denkbar. Ob in der Arbeit mit Stein oder beim Malen: ich versuche in einen Flow zu kommen, einen Zustand, der zwischen höchster Bewusstheit auf der einen und Selbstvergessenheit auf der anderen Seite oszilliert. Dann kann der Reichtum der Tiefe wirksam werden, der aus Unbewusstem ebenso besteht wie aus Bewusstem, der aus dem Traum herauswinkt, aus Halbschlaf und Trance, aus unbändiger Neugier, aus Staunen und Begeisterung – und nicht zuletzt aus Zufall. Ja, manches fällt mir zu, und ich bin dankbar dafür.
Zuletzt: Ich bin überzeugt davon, dass es in unserer immer komplexer werdenden, höchst herausfordernden, vielfach „entzauberten“ Welt nicht allein darum gehen kann, den status quo zu thematisieren, sondern auch der Hoffnung und Zuversicht und den Möglichkeiten der Verwandlung, also – um mit Morris Berman zu sprechen – Visionen von der „Wiederverzauberung der Welt“ künstlerischen Ausdruck zu verleihen.
Kunst hat – und hatte schon immer – viele Möglichkeiten, uns zu berühren und in andere Räume zu begleiten, den Raum des Künstlers, der Künstlerin, und den Raum unseres eigenen Inneren. Dort kann sich jedes Werk neu entfalten, das ist ein Teil des Zaubers.
Ausgangspunkt ist das Innere des Künstlers. Was hat wohl Joseph von Eichendorff bewegt, als er den Vierzeiler schrieb, der das Wesen von Lyrik so wunderbar erfasste:
Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.
Was mag in Max Bruch vorgegangen sein, als er den ersten Satz zu seinem berühmten Violinkonzert Nr. 1 komponierte? Und was in Anne-Sophie Mutter beim Spielen des Geigenparts seines Werks über 100 Jahre später?
Was trieb Michelangelo an bei der Entstehung des „David“, was Leonardo beim Gestalten der rätselhaften Mona Lisa?
Und aus welchem Geist ist der berühmte „Löwenmensch“ vom Hohlenstein-Stadel im Jungpaläolithikum vor etwa 40.000 Jahren entstanden?
Wir wissen all das im Detail nicht. Aber wir können spüren, was in uns geschieht beim Erleben von Kunst.
Der schöpferische Prozess speist sich beim Künstler ebenso wie bei Betrachtern aus einer Vielzahl von Faktoren: der persönlichen Geschichte, der geistigen und emotionalen Entwicklung, der kulturellen Prägung, ästhetischen Ansprüchen, aus der Umgebung, dem Moment, dem Zufall, aus Reflexion, aus Wut und Rebellion, aber auch aus Urverlangen und Leidenschaft und dem uns innewohnenden, uralten Bedürfnis nach einem gelingenden Leben, nach Fruchtbarkeit, Selbstausdruck und Transzendenz.
Wir brauchen Kunst. Künstlerischer Ausdruck ist, so der Nobelpreisträger und Hirnforscher Eric Kandel, kein Nebenprodukt der Evolution, kein „Luxus“, sondern entspringt einem Grundbedürfnis des Menschen, die Rätselhaftigkeit und Komplexität der Welt irgendwie erfassen und darstellen zu können.
Wie sonst wäre es zu erklären, dass schon vor 30.000 und mehr Jahren, also in einer Zeit, die vom täglichen Kampf ums Überleben gekennzeichnet war, großartige Höhlenmalerei entstand, filigrane Flöten aus Vogelknochen, mit Symbolik aufgeladene Venusstatuetten oder eben der mythische „Löwenmensch“? Schon diese Kunst bildet nicht nur ab, sondern blickt in die Tiefe, interpretiert, zeigt Symbole, Traumdarstellungen, Magie – und spiegelt so die Verschränkung der äußeren und inneren Lebenswelt der damaligen Menschen.
Auch für diese Kunst gilt Paul Klees Satz: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“
Kunst kann aber auch der Not etwas entgegensetzen. Den verheerenden Pestepidemien des Spätmittelalters folgte eine der großartigsten Zeiten der Kunstgeschichte, die Renaissance.
Auch bei den großen Herausforderungen der heutigen Zeit kann Kunst Wege aufzeigen zwischen Dystopie und Utopie, kann verstören und aufrütteln, aber ebenso auf das Hilfreiche und Heilsame und Schöne hinweisen, das wir in der Flut der täglichen Negativmeldungen nur allzu leicht aus dem Auge und unseren Herzen verlieren.
So wie der Künstler das jeweilige Werk erschafft, so entsteht es in jedem Betrachter von Neuem. Das bewusste Sich-Einlassen auf ein Werk ist ein schöpferischer, befruchtender Akt, der seine Zeit braucht, uns aber auch reich belohnen kann.
Kunst kann uns betroffen machen, Fragen stellen, uns berühren oder trösten, kann „Nahrung“ sein, uns Möglichkeiten aufzeigen und unseren Geist beflügeln, auf ein größeres Ganzes hinweisen. Kunst kann uns an das erinnern, was im Leben wirklich wichtig ist.
Im Staunen und vielleicht Ergriffensein können wir uns, anders und doch auch wie Kinder, ganz dem Moment hingeben, dem Neuen, Überraschenden, Unbekannten.
Wir können begeistert sein, ja enthusiastisch (von griechisch „en theos“, „erfüllt mit theos“, dem Göttlichen in uns). Oder den Zauber der Stille in uns spüren…
Wir können von der Ausdruckskraft eines Werks, von Klang, Form oder Farbe berührt sein, in die faszinierende Welt neuer Möglichkeiten schauen – und unsere eigene Welt kann sich offen und leicht und zugleich tief verbunden anfühlen…
Nicht zuletzt kann Kunst ein Gegenüber, ein Teil unseres Lebens werden. In Eduard Mörikes wunderbarem Gedicht „An die Geliebte“ lesen wir:
Wenn ich, von deinem Anschaun tief gestillt,
Mich stumm an deinem heil`gen Wert vergnüge,
Dann hör ich recht die leisen Atemzüge
Des Engels, welcher sich in dir verhüllt,
Und ein erstaunt, ein fragend Lächeln quillt
Auf meinem Mund, ob mich kein Traum betrüge,
Dass nun in dir, zu ewiger Genüge;
Mein kühnster Wunsch, mein einz`ger, sich erfüllt?
Von Tiefe dann zu Tiefen stürzt mein Sinn,
Ich höre aus der Gottheit nächt`ger Ferne
Die Quellen des Geschicks melodisch rauschen.
Betäubt kehr´ ich den Blick nach oben hin,
Zum Himmel auf – da lächeln alle Sterne:
Ich knie, ihrem Lichtgesang zu lauschen.
Das Gegenüber, die „Geliebte“ kann der schöpferische Prozess sein, das vollendete Werk, der Erkenntnisgewinn, die innere Beseeltheit, die Verbindung mit etwas Größerem, Demut und eine ganz tiefe Dankbarkeit.

Kunst im öffentlichen Raum:
Großskulptur Four Stones vor Villa Häusle / Kulturzentrum Rankweil
Großprojekt Rock of Dreams:
Internationale Zusammenarbeit von zwölf Bildhauer:innen an einem elf Tonnen schweren Steinblock aus Muschelkalk (2021–2022).
Inhaber der La piccola galleria, Feldkirch (von 2016–2021)
Mitglied bei sculpture-network
Bildhauerei
Reinhard Winter, Bildhauer und Steinmetzmeister, arteum, Wien (A)
Silvia Jung-Wiesenmayer, Steinmetzin, Opfenbach (D)
Christian Koller, Schüler von Fritz Wotruba und drei Jahre Assistent von Henry Moore, Pöndorf (A)
Malerei
Anita Hörskens, Dozentin (D)
Ela Rübenach, Dozentin (D)
Daniela Pfeifer, Dozentin (A)